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Reizdarm

„Reiz mich nicht!“

Das Reizdarmsyndrom

Der Darm hat großen Einfluss auf unsere Psyche. Und umgekehrt.

Wer kennt das nicht! Man fühlt sich schlecht, läuft von Untersuchung zu Untersuchung und bekommt gute Zusprüche wie: „ Ihnen fehlt gar nichts, seien sie froh!“ Man tut sich aber oft schwer mit dem Frohsein, weil der Körper nicht auf die frohe Botschaft reagiert und weiterhin das Unwohlsein transportiert, im aktuellen Fall in Form von Darmbeschwerden.

Das sogenannte Reizdarmsyndrom (RDS) birgt die Besonderheit in sich, dass eine Diagnose mittels Ausschlussverfahren geschieht, nämlich nicht dadurch, dass man eine bestimmte Krankheit feststellt, sondern dadurch, dass man so gut wie alle im Darm vorkommenden möglichen Krankheiten ausklammert. Es handelt sich beim RDS nicht um ein Krankheitsbild im klassischen Sinn, denn es liegen kein entzündlicher Prozess und auch keine organischen Veränderungen vor. Wenn also alle üblichen Untersuchungen negativ ausfallen, liegt der Schluss nahe, das es sich bei den Beschwerden um ein Reizdarmsyndrom handelt.

Die Hauptsymptome dafür sind Überempfindlichkeit bis hin zu Schmerzen, Blähungen und Stuhlveränderungen und für die betroffenen Menschen stellt diese Situation eine besondere Herausforderung dar, denn trotz Schmerzen und Unpässlichkeiten gibt es kein Patentrezept zur Behandlung dieses Syndroms. Die Ursachen für ein RDS sind nicht bekannt, man weiß jedoch, dass es vermehrt von Umweltfaktoren abhängt. Laufend wird nach Therapie geforscht, die den Patienten helfen könnten, aber die Beschwerden zeigen sich unterschiedlich und auch die Reaktionen der Patienten differenzieren sehr.

Unsere Psyche reagiert sehr sensibel auf Stimmungsänderungen, Probleme im Alltag, Überlastung, Angst und Ärger. All diese Stressfaktoren können Verstopfung, Durchfall, Sodbrennen oder Blähungen auslösen. Bleibt der Stresspegel lange hoch, können diese Leiden chronisch werden. Menschen verarbeiten psychische Belastungen natürlich unterschiedlich.

Auch die „falsche“ Ernährung kann ein Auslöser für ein RDS sein. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind manchmal Auslöser für RDS, aber auch einseitige Diäten können daran schuld sein.

Was also tun?

Da es nicht „die“ Ursache für das Reizdarmsyndrom gibt, gibt es auch nicht „die“ Therapie.

Alle möglichen Behandlungsansätze orientieren sich daran, welches Symptom vorherrschend ist, wie stark dieses Symptom ausgeprägt ist und unter welchen Umständen es auftritt.

Meine persönlichen Therapieansätze möchte ich hier kurz anführen:

  • Eine Ernährungsumstellung kann helfen, jedoch sollte diese unter ärztlicher Kontrolle stattfinden, da es eine vollkommen „richtige“ Ernährung hier nicht gibt, sondern ein professioneller Ernährungsplan individuell und persönlich abgestimmt werden muss. Untersuchungen zeigen Vorteile unter einer fermentierbaren Oligo- Di- und Monosacchariden und Polyolen -armen Ernährungsweise, der sogenannten FOODMAP- Diät. Alkohol und Nikotin sollte man jedenfalls meiden. Koffeinhaltigen Kaffee sollte man als Reizdarmpatient auf maximal eine Tasse am Tag beschränken.
  • Sein eigenes Wohlfühlprogramm zu entwickeln kann sehr förderlich sein. Man sollte sich Zeit für sich nehmen, auf guten erholsamen Schlaf achten, ab und zu eine Wärmeflasche auflegen und genau auf seinen Körper hören.
  • Stressreduktion tut dem Körper in jedem Fall gut. Dabei ist es wichtig, die persönlichen Stressquellen zuerst zu definieren und in der Folge zu vermeiden. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder bauchbezogene Hypnose kann in vielen Fällen zu einer Verbesserung der Reizdarmsymptome führen.
  • Gegen innere Anspannungen hilft Sport, wozu auch alleine eine gemütliche Bewegung an der frischen Luft zu zählen ist.
  • In vielen Fällen zeigen auch pflanzliche Präparate, die Kamille, Pfefferminze, bittere Schleifenblume , Kümmel und mehr enthalten, eine positive Wirkung. Gute Erfolge können auch mit Produkten erzielt werden, die verdauungsförderndes Papaya- Konzentrat enthalten, besonders, wenn eher der Verstopfungs-Typ vorherrscht. Einige Patienten sprechen auch gut auf ein Präparat an, das Kräuter enthält, die in der tibetischen Medizin bei Verdauungsbeschwerden ihren Einsatz haben. Unter anderem verwendet man hier Granatapfelsamen, Kardamom, Galgant und Zimtkassia.
  • Heilende Tees, wie z.b. Fenchel, Anis, Tausendguldenkraut bewirken viel bei der Linderung des Unwohlseins. Die richtige Wahl des Tees oder der pflanzlichen Arznei richtet sich nach dem jeweils vorherrschenden Symptom, also, ob es sich um entzündliche Prozesse oder um Durchfall oder Verstopfungssymptomatik handelt.
  • Um akute Störungen der Darmfunktion zu beheben, können entsprechende Medikamente kurzfristig Erleichterung bringen. Gerne nehmen Patienten mit Reizdarmsyndrom auch Probiotische Präparate, die zu einer regelmäßigen Stuhlentleerung oder zu einer Reduzierung der Stuhlfrequenz beitragen können.
  • Ist eine entzündliche Komponente vorherrschend, kann man die Anwendung von Weihrauch-Extrakten in Betracht ziehen. Der anti-entzündliche Effekt dieser Pflanze ist auf die darin enthaltenen Boswellin-Säuren zurückzuführen.
  • Welches Präparat im speziellen Fall eine Linderung der Beschwerden bewirkt, ist von Person zu Person verschieden.
  • Langfristig sollte immer eine ganzheitliche Heilung angedacht werden.
  • Ausführliche Gespräche mit einem in Psychosomatik ausgebildeten Arzt oder Psychotherapeuten können sehr hilfreich sein. Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient gibt dem Betroffenen Sicherheit, aus der eventuelle psychische Probleme ans Tageslicht kommen können, womit oft schon ein persönlicher Heilungsprozess beginnen kann.

Alle Therapieansätze sollten unbedingt unter der Begleitung eines entsprechenden Arztes stattfinden, der auch die Verantwortung dafür trägt, bei langfristig andauernden oder stärker werdenden Beschwerden die entsprechend nötigen medizinischen Schritte zu veranlassen.

Dr. Irene Übelhör

Ärztin für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt für Magen Darmerkrankungen

Kontakt

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A-4040 Linz

Tel: 0676 625 9181

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